Es müsste eigentlich funktionieren…

Gestern bin ich -mal wieder- über eine der klassischen Aussagen der IT-Welt gestoßen: “Es müsste ([jetzt|nun|theoretisch|eigentlich]*) funktionieren…”.

Wenn ein Architekt ein Haus baut, sagt der Architekt: “Das Haus ist fertig, es hat keine Mängel. Sie können jetzt darin wohnen.”
Ein Klempner sagt: “Ihr Klo funktioniert nun.”

Und was sagen wir ITler?
Typische Beispiele
… in der Software-Entwicklung: “Mit dem neuen Patch sollte das Problem eigentlich gelöst sein.” (zuletzt gehört: letzte Woche)
… beim Support: “Bei mir funktioniert das eigentlich.” (gehört: gestern, gesagt: ich)
… beim Updaten (siehe Firewall-Update gestern): “Eigentlich sollten nun die Fehler behoben sein.”
… in der Diskussion um eine Systemarchitektur: “Theoretisch könnte man das so umsetzen.” (gehört: vorgestern)

Ich erwische mich und meine Kollegen bei so etwas immer wieder: Wir ITler/Entwickler/Administratoren/Systemarchitekten wollen uns nicht festlegen, dass etwas auf Anhieb funktioniert. Wir lieben den Konjunktiv und lassen uns so auf die Schnelle auf nichts festnageln.
Meine Vermutung liegt darin, dass wir als Softwareentwickler immer noch die Möglichkeit haben, Probleme im Nachhinein meistens ohne großen Aufwand zu beheben. Bei einem Architekten/Bauherren sieht das anders aus: Wenn die Deckenhöhe nur 1.70m beträgt, kann das ganze Haus nochmal gebaut werden.

Wenn man diesen Gedanken noch weiter führen will: Es ist einfacher, konkrete Aussagen zu treffen, wenn man konkretes vor Augen hat (Baumaterial, eine Grundfläche…).
Hat man hingegen nur virtuelle Bits und Bytes verliert man in einem gewissen Sinne das Gefühl für die Verantwortung. Frei nach dem Motto: “Ja, den Fehler behebe ich nachher. Pack’ ihn erstmal in den Bugtracker.”

Mein erster philosophischer Blogeintrag. Ich Hund.

Comments ( 7 )

  1. / ReplyBjörni @ Work
    FULL ACK.. cih seh das jeden tag auf arbeit? "was heißt hier müsste" bla blub :(
  2. / ReplyAnonymous
    Sag ich ja *gg*
  3. / ReplyDSL
    "beim Support: "Bei mir funktioniert das eigentlich." (gehört: sehr oft im phpchrystal irc. gesagt: darüber decken wir mal den Mantel der christlichen Nächstenliebe) [img]http://ugly.plzdiekthxbye.net/small/s007.gif[/img]
  4. / ReplySchakko
    Ähmm... streichen wir das bitte *gg*
  5. / ReplyDSL
    Aber mal @topic: Jetzt, wo du das sagst, fällt mir auch auf, dass man bei der Suche nach Lösungen oder Neuerungen im IT-Bereich ständig "sollte", "müsste", "könnte" oder "dürfte" zu hören und lesen bekommt. Das dürfte *g* wohl daran liegen, dass dieses Gebiet permanenten Veränderungen unterworfen ist und man immer wieder vor unvorhersehbaren Problemen steht. Insofern halte ich den Gebrauch des Konjunktivs als Möglichkeitsform sogar für verantwortungsvoller als defintive Aussagen zu machen, die sich im Nachhinein als nicht realisierbar erweisen. Und das war meine philosophische Antwort. Ich Katze.
  6. / ReplySchakko
    Realisierbar ist -mit dem passenden Aufwand- alles. Du hörst ja von einem Ingeneur (darf man den jetzt auch Ingenör schreiben?) auch nicht: "Der neue 42PS-Motor dürfte ganz gut laufen." sondern "Der neue 42PS-Motor, den wir entwickeln, ist das beste Produkt auf dem Markt und er WIRD funktionieren." Ich will da mal behaupten, dass es genau so anspruchsvoll ist, einen Motor zu entwickeln wie eine sehr komplexe Anwendung. Informatik ist wie der Bundestag: Was man heute sagt, könnte (!!!) irgendwann umgesetzt werden ;)
  7. / Replygrufo
    dass es funktioniert hört man von mir nur wenn ich es auch wirklich getestet hab :-) sonst halte ich mich auch an sollte/müsste/dürfte/...

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