Loblied auf Krams. Krams im Sinne von Nexus S und Fender Baja.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich sehr selten nicht oft neue Sachen leisten. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass mir die Sachen, die ich habe und die mir gefallen, wirklich lange nutze. Sei es das Notebook, das zwar schon 6 Jahre auf dem Buckel, einen leicht defekte Audioausgang, eine eingedrückte linke Maustaste und einer immer langsamer laufende Festplatte hat oder aber meine Motorradjacke. Ich habe in meinem Schrank für einen Kerl echt ‘nen Haufen Jacken (die, die mich kennen, würden mir das nie glauben) – und trotzdem ziehe ich die völlig abgeranzte, angebrannte, Bier-durchtränkte Motorradjacke immer noch an. Das Ding ist schon 30 Jahre alt. Gehörte noch meinen Eltern. Ich kaufe nicht oft neuen Krams. Obwohl ich technisch nicht ganz uninteressiert bin und mich schon als Nerd bezeichnen würde. Ich nutze gerne das, was schon da ist. Vielleicht bin auch geizig. Oder sparsam. Eher sparsam.

Wie dem auch sei: ich kaufe echt selten neuen Krams – aber vorletzte Woche habe ich dann ein bißchen Geld locker gemacht und mir neuen Krams geholt.
Nach dem Fiasko mit dem Palm Pre – als etwas Anderes kann ich das nicht bezeichnen, wurde es Zeit für ein neues Handy Smartphone Telefondingens. Ich war ernsthaft am Überlegen, ob ich mir ein iPhone schieße. Da ich keine Apple-Geräte bei mir zu Hause habe und mich auch sonst die Politik von Apple nicht überzeugt, habe ich mich letztendlich dagegen entschieden. Die neuen Windows Phone 7-Geräte fand ich interessant. Aber: Wozu brauch ich die ganze Social-Network-Hype-Geraffel-Integration? Ich bin nicht bei Facebook. Bei Google+ bin ich nur angemeldet, weil ich mir das mal anschauen wollte. Ich habe noch nie Skype genutzt und meine Timeline polle ich per Update-Button. Nennt mich rückständig. Ich habe keinen Nerv auf Information Overflow – davon habe ich bei all den Projekten, Programmiersprachen, Frameworks und Ideen schon mehr als genug.
Somit fiel dann das Windows Phone 7 auch flach. Information Overflow-Oberfläche, alle 5 Sekunden neue Benachrichtungen. Ich dreh am Rad.

Da ich bereits vorher schon mit Android geliebäugelt hatte (Linux, doh!), machte ich mich schlau und schoß dann bei eBay das Nexus S für unglaublich günstige 205 Euronen. War für meine Zwecke völlig ausreichend. Eine fünfunddrölfzig Megapixel Kamera hätte ich nie genutzt. Ich interessiere mich nicht fürs Fotografieren – für Fotografien hingegen schon. HDMI-Ausgang? Hätte ich cool gefunden – aber wie oft schaue ich mir zu Hause Filme an? Die Filmschauerei hat bei mir in den letzten Jahren drastisch abgenommen.

3 Tage später bekam ich das Handy von einem äußerst netten eBayer zugeschickt und war begeistert. Mir fehlen die Vergleiche zu einem iPhone – aber das Nexus S ist das erste Smartphone, bei dem ich das Gefühl habe, dass es zu mir passt. Keine dämlichen und überflüssigen Apps drauf, keine unnötig aufgehübschten Animationen, kein Firlefanz. Das Smartphone liegt sau gut in meiner Hand – auch wenn es recht groß ist. Die Akkuleistung ist schlichtweg der Hammer. Nach 2 Tagen lag der Batteriestatus immer noch 35%. Mein Palm Pre hätte ich bereits zum zweiten Mal laden müssen. Das Smartphone ist schnell – sogar wahnsinnig schnell. Programm starten, Programm da. Kein warten, nix! Auch super: ich kann endlich 3G nutzen. Ging vorher mit dem Palm Pre nicht, mit meinem P910i oder HTC Touch Diamond sowieso nicht.
Twitdroyd ist nicht der beste Twitterclient oder wird durch UberSocial ersetzt? Mir egal – die Software passt zu mir.
Und dann die Integration der Google-Dienste: ich halte ja wenig von der Datenkrake Google. Aber: Google Text&Tabellen ist super integriert. Ich brauche keine Drittsoftware mehr. Ein Traum. Und kommt mir bitte nicht mit: “Bei Windows/iPhone hast du doch den Dienst xyz”. Mag sein. Wie viel kostet der? Funktioniert der mit Linux? Muss ich da noch eine weitere App installieren? Muss ich da noch einen weiteren Account haben, der nicht über OpenID/whatever läuft? Finde das Nexus S und die Integration mit den Google-Diensten toll. Punk(t). Und nein, ich bin kein Google-Fanboy. Und nein, ich brauche keine tolle App, mit der ich unterewegs spielen (Angry Birds? Ich hörte davon) oder mir den Alkoholpegel anzeigen lassen kann. Ich brauche einen SSH-Client, eine Shell und ein paar Netzwerktools. Ich bin Pragmatiker. Und durch und durch Entwickler.

Meine Freundin bekam (und bekommt) in diesen Tagen oft von mir zu hören: “Woah ist das genial!”.

Zu meiner Handy-Euphorie kam außerdem noch ein zweiter, positiver Aspekt hinzu: eine neue Gitarre. Meine “alte” Ibanez (im Les Paul-Nachbau in Weinrot) klang und klingt immer noch geil. Zwei fette, aktive Humbucker, die bei Metal-/Punk Rock-Sachen ordentlich Druck machen. In Kombination mit meinem Peavy eine runde Sache. Allerdings: Für Punk-Ska/Offbeat-Geschichten ist das Brett nicht so geeignet. Klar, spielen geht – aber der Sound ist nicht so definiert, wie ich mir das im Bandkontext vorstelle.

Also schaute ich mich auch da nach Alternativen um, die mich erst einmal optisch ansprachen. Bei eBay hatte ich eine auf Vintage gemachte wirklich abgeranzte Fender Baja gefunden, die mich sofort vom Aussehen her ansprach. Genau an dem Tag, an dem die Auktion auslief, wollte ich aber mit den Jungs zu unserem Musikladen des Vertrauens, um mir ein paar Bretter mal in live anzuhören. Dort angekommen schnappte ich mir die Baja, spielte sie Probe und war sofort in sie verliebt. Geiler Klang, liegt sau gut in meiner Hand, ist leicht, lässt sich super bespielen. Hätte ich die Auktion abgewartet, hätte ich mir die abgeranzte Baja zur Hälfte des Neupreises schießen können. Aber das ist mir egal. Die Baja ist toll. Und die Ibanez ist toll. Aber beide sind unterschiedlich toll.

Whatever. Ich habe seit Monaten mal wieder Geld ausgegeben, für Sachen, die ich auch gebrauchen kann und die Wertarbeit sind. Ich lobe hiermit die Qualität des Nexus S und meiner Fender Baja und bedanke mich offiziell bei allen Beteiligten für diese beiden wundervollen Produkte. Die machen mich beide nämlich sehr sehr glücklich.

P.S.: Mein altes Palm Pre hat jetzt übrigens einen neuen Besitzer gefunden. Funfact: In den zwei Wochen hat das Handy bereits zweimal den Kontakt mit der SIM-Karte verloren.

Comments ( 2 )

  1. / ReplyBjörn
    Ich hoffe, dass ich in wenigen Tagen auch mein Nexus in meinen Händen halte! Mein Pre kommt dann unter dem Hammer. Sprichwörtlich. Oder zu so einem Handyverwerter.. Mehr ist damit nicht mehr zu machen. Selbst meine Freundin will es nicht haben. Die hat das Lidl-Handy genommen, ist auch nicht schlecht..
  2. / Replywelt-held.de » Google Nexus S
    [...] und es gammelt in der Schublade vor sich hin und habe mir auf Empfehlung eines Kollegen und meines Cousins ein Google Nexus S zugelegt. Es hat zwar schon ein paar Tage auf dem Buckel, war für aber rund [...]

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